I. Gründung in Weimar
II. Japan
III. Korea
IV. Rückblick
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IV. Rückblick
Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998
Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)
Als im Jahre 1940 der Inspektor des Schweizerischen Zweiges der Ostasienmission (OAM), Pfarrer Otto Marbach, starb (der Name Marbach dürfte vielleicht noch einigen älteren Mitgliedern der SOAM bekannt sein), ging eine Epoche zu Ende. Marbach hatte über viele Jahre hinweg der internationalen OAM treu und mit seinen besten Kräften gedient und hatte es immer wieder verstanden, Spannungen zwischen deutschen und schweizerischen Missionsfreunden abzubauen und die menschlichen Beziehungen zu stärken. Ihm folgte für kurze Zeit Pfarrer Karl Huber und 1944 Pfarrer Kurt Suter. Der immer noch tobende 2. Weltkrieg riss zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Zweig einen immer tiefer werden
den Graben auf. Politisch war Japan, eines der Arbeitsgebiete, mit Nazideutschland verbündet, was die Schweizer veranlasst hatte, sich von diesem Arbeitsgebiet zu distanzieren und es den Deutschen zu überlassen. Doch als die Niederlage Hitlers sich abzeichnete und Deutschland zerstört darnieder lag, waren die Schweizer aufgerufen, das Steuer der OAM in die Hand zu nehmen und den Wiederaufbau des gemeinsamen Werkes zu beginnen. Auch das Verhältnis zu den deutschen Missionsfreunden, die nach 1945 nicht mehr in der Lage waren, etwas zu unternehmen, sollte geregelt werden. Auch auf den Missionsgebieten bestand natürlich dringender Handlungsbedarf. Klar ist mir: Die Schweizer waren durchaus bereit, mit den deutschen Freunden weiterhin zusammenzuarbeiten. Aber sie waren nicht mehr bereit, sich der Leitung eines deutschen, allenfalls wieder aufzubauenden Direktoriums zu unterstellen. Sie strebten vielmehr Selbständigkeit und eigene Verantwortung an. Dies ist darum sehr verständlich, weil die Schweiz nun jahrelang allein die finanziellen Lasten getragen hatte.
Nach Kriegsende wurden Schritt für Schritt die Kontakte wieder aufgenommen. Denn es gab vieles zu besprechen und zu regeln. Doch hatten die Schweizer ihre Selbständigkeit gesucht und gefunden, indem sie sich eigene Statuten gaben und Ende 1945 die selbständige Schweizerische Ostasienmission (SOAM) konstituierten. Die übrig gebliebenen Mitglieder des Zentralvorstandes (praktisch alles Schweizer) übergaben der neugebildeten Mission die Treuhänderschaft, Verantwortung und Vollmacht für die Arbeit in China und Japan. Zum ersten Präsidenten der SOAM wurde der Winterthurer Pfarrer Werner Zollinger gewählt. Am 21. August 1946 traf sich zum ersten Mal eine Schweizer Delegation mit 2 Vertretern des deutschen Vereins in Waldshut. Man begegnete sich in Freundschaft, behandelte alle aktuellen Fragen und einigte sich in einem Protokoll, auf eine Vereinbarung für die Zukunft, die von der Delegierten-Versammlung zu genehmigen war. Punkt 1 derselben ist aus SOAM-Sicht besonders wichtig und lautet:
«Die Vertreter der DOAM nehmen in zustimmendem Sinne Kenntnis von der Neuordnung, durch welche die SOAM vollständige Selbständigkeit beansprucht.»
Leider ergaben sich bei Umsetzung der Abmachungen grosse Meinungsverschiedenheiten, die zu beidseitiger Verstimmung führten und schmerzliche Wunden schufen. Eine sehr umstrittene Frage mit erregten Diskussionen war die Haltung der deutschen Missionare in Japan und China der braunen Ideologie gegenüber. Dabei spielte ein deutscher Missionar, der wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus aus Japan in die USA ausgewichen war und dann von den Schweizern als erster Japanmissionar wieder engagiert wurde, eine sehr fragwürdige Rolle. Nach einer Phase von erregten Auseinandersetzungen wurde1948 unter der behutsamen Leitung von Repräsentanten des Internationalen Missionsrates die sog.Basler Vereinbarung
abgeschlossen, welche die Zusammenarbeit mit der deutschen OAM regelte: Das Arbeitsgebiet Japan wurde so aufgeteilt, dass die Deutschen Tokyo und die Schweizer Kyoto übernahmen und die Missionsgrundstücke in die Verwaltung einer gemeinsamen Stiftung gegeben wurden. China musste ja dann 1951 endgültig verlassen werden. Im Jahre 1963 trafen sich deutsche und schweizerische Vertreter zu einem freundschaftlichen Zusammensein im Ferienhaus der Familie Kohler im Prättigau, wobei die letzten noch verbliebenen Missverständnisse ausgeräumt wurden. Ich glaube feststellen zu dürfen, dass sich die gegenseitigen Beziehungen DOAM-SOAM in den letzten Jahren gefestigt und vertieft haben.
Es war ein grosses Glück, dass die SOAM in der Person des jungen Schweizer Pfarrers Werner Kohler eine neue, unverbrauchte Kraft fand, welche 1954 nach Japan ausreiste und die Arbeit dort mit neuen Ideen wieder in Schwung brachte. 1961 wurde Pfarrer August Bänziger neuer Inspektor, der das vollamtliche Inspektorat fallen liess und im sog. Leitungsteam ein neues Organ schuf und der SOAM durch die Mitbeteiligung von mehreren Pfarrern im erwähnten Team zu einer breiteren Basis verhalf. 1962 wurde als Nachfolger von Pfarrer Zollinger der Zuger Pfarrer Willem Kuhn neuer Präsident, den ich dann 1983 ablöste. Dem Team Bänziger/Kuhn und seinen Mitarbeitern ist der eigentliche Neuaufbau in Japan und die Erweiterung der Arbeit nach Indonesien zu verdanken. Auch in der Schweiz wurden neue Wege beschritten, die schliesslich in der engen Zusammenarbeit mit andern Missionen und den Schweizer Kirchen in der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM) erfreuliche Fortschritte brachte. Heute ist die SOAM ein integrierter Teil des innerhalb des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes bestehenden Netzes von verschiedenartige Institutionen, Werken und Missionen.
Wie es während meiner Präsidialzeit zur Ausweitung unserer Arbeit in Korea kam, habe ich im letzten Beitrag beschrieben.
Abschliessend möchte ich auf einige Persönlichkeiten innerhalb der langen Geschichte der OAM hinweisen.
Der erste und der letzte Zentralpräsident des AEPMV bezw. der OAM waren zwei bedeutende Schweizer Theologen: Der Gründerpfarrer Dr. h. c. Ernst Buss von 1884-1893, Glarus (dann zum Ehrenpräsidenten ernannt), und von 1937-1946, also während der schwierigen Zeit des Aufstiegs und des Niedergangs des Nazionalsozialismus in Deutschland, Pfr. Dr. Oskar Pfister, Zürich.
Der AEPMV/bezw. die OAM haben auch immer bekannte Missionars- und Theologenpersönlichkeiten hervorgebracht. Ich erwähne hier vor allem den ersten Chinamissionar Dr. E. Faber, der 1885 in China begonnen hat, sowie Pfr. Dr. W. Spinner, den ersten Japanmissionar, der 1885 nach Japan ausreiste. Für China weise ich noch auf den hervorragenden, weltberühmten und heute noch bekannten Schwiegersohn Blumhardts, den Sinologen Prof. Dr. R. Wilhelm, hin, der 1899 nach Tsingtao kam und die schwierige Zeit des 1. Weltkrieges in China verbrachte.
Aus neuerer Zeit, aus der Geschichte der SOAM nenne ich vor allem den Theologen Prof. Dr. Werner Kohler, der in seinem nach seinem Tod erschienenen Werk «Umkehr und Umdenken» - Grundzüge einer Theologie der Mission (1988) ein neues Verständnis von Mission entfaltet hat. Was er in diesem Buch ausführlich dargelegt hat, hat er zusammenfassend in einem Aufsatz «Was ist überhaupt Mission?» dargestellt. Seine grundlegende Feststellung (Jubiläumsschrift «Spuren» - 100 Jahre Ostasien-Mission 1985):
«Jesus trieb keine Mission, missionierte, evangelisierte und bekehrte nicht, aber er hatte eine Mission.»
«Die Grundfrage nach der Mission der Kirche und der Christen ist darum die Frage nach der Mission Jesu.»
Diese entscheidende Frage beantwortet Kohler mit dem Hinweis auf die neue Herrschaft Gottes, der sich die Menschen zuwenden sollen, können und dürfen, jene einmalige und einzigartige Lebenschance. Die Königsherrschaft Gottes, wie sie auch genannt wird, sei «für Jesus das Motiv, die Menschen zu einer neuen Lebens- und Denktendenz aufzurufen».
Das sei dann nicht nur der Sinn der Mission Jesu, sondern auch der Mission der Kirche. Abschliessend sei Werner Kohler noch einmal, sein Verständnis von Mission zusammenfassend, zitiert:
«Die Mission der Christen und der Kirche besteht darin, auf einen neuen Weg, auf den Pfad der Identität hizuweisen in einer Welt der zahlreichen Irrwege, Umwege und vor allem auch in einer Zeit der Weglosigkeit.» (Alle Zitate aus dem oben erwähnten Aufsatz S. 38-52)
Dieses Verständnis von Mission hat selbstverständlich auch seine Folgen für das Verhältnis zu den fremden Religionen, deren Angehörige die eigene Identität vielfach auch noch nicht gefunden haben. Der Ruf wird damit umfassend.
Abschluss
Nun habe auch ich nach 15 Jahren die Leitung der SOAM in jüngere Hände legen können, und ich bin dankbar, dass ich lange Jahre im Kreise der SOAM mitarbeiten durfte. Diese Arbeit hat natürlich viel Kraft und Zeit verlangt. Aber sie hat meiner Frau und mir auch reichen innern Gewinn, viele Freundschaften und auf meinen Reisen in asiatische Länder eine gewaltige Erweiterung meines Horizontes und unauslöschliche Eindrücke gebracht. Dafür sind wir dankbar. Ich wünsche der SOAM auf ihrem weiteren Weg in die Zukunft viel Glück und Gottes Segen. Mögen ihr auch unsere treuen Mitglieder und Gemeinden weiterhin mit guten Gedanken und finanziellen Mitteln zur Seite stehen.



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