I. Gründung in Weimar
II. Japan
III. Korea
IV. Rückblick
SITEMAP
II. Japan
Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998
Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)
Im ersten Artikel habe ich darauf hinweisen können, dass die SOAM 50 Jahre alt wird und dass gleichzeitig das internationale Sozialzentrum KISWEC in Kyoto sein 25jähriges Bestehen feiern kann. Aus diesem Grund wird in Kyoto/Japan eine Festschrift herausgegeben. Der Direktor des Zentrums, Herr Pfarrer Tokoro, ein guter Freund und zuverlässiger Partner der SOAM, hat mich gebeten, für die Festschrift einen Beitrag zu schreiben. Es wurde mir vorgeschlagen, in meinem Artikel hauptsächlich auf die Motive einzugehen, welche die SOAM bewogen haben, sich von Anfang an diesem neu aufzubauenden Werk zu beteiligen. Ich bin diesem Wunsche sehr gerne nachgekommen. Ich habe einige damalige SOAM-Verantwortliche ausgefragt und einige Dokumente und Berichte aus jener Zeit zusammengetragen und studiert, sodass der nachfolgende Beitrag entstehen konnte.
Dieser Beitrag so erscheinen, wie er geschrieben wurde in dem persönlichen Ton, der meine Freundschaft und ganze Sympathie ausdrückt. Ergänzend kann ich dazu noch sagen, dass das KISWEC bis heute im Wachsen begriffen ist. Es umfasst neben dem Aus- und Weiterbildungszentrum, in welchem laufend neue, heutigen Bedürfnissen angepasste Kurse und Seminarien angeboten werden, verschiedene geschützte Werkstätten für verschiedenartig behinderte Menschen.
Auch hat es Herr Pfarrer Tokoro verstanden, dem Werk solide finanzielle Grundlagen zu verschaffen. Zur grossen Freude (und natürlich Entlastung der) SOAM ist das Zentrum in der Lage, den jetzigen Schweizer Mitarbeiter, der von der SOAM gestellt wird, selber zu entlöhnen. Das zeigt, wie aus bescheidenen Anfängen, in denen die Schweizer Hilfe dringend notwendig war, ein blühendes, selbständiges Werk entstanden ist, das eine segensreiche und vielfältige Arbeit verrichtet, die weit über die alte Kaiserstadt Kyoto ausstrahlt.
Mission durch Wort und Zeugnis
(Zur Mitarbeit der SOAM beim Aufbau des KISWEC)
Als Präsident der SOAM komme ich Ihrem Wunsche sehr mit Freude nach, und ich benutze gerne die Möglichkeit, Ihnen, lieber Herr Tokoro, zum heutigen Entwicklungsstand des KISWEC, der ja weitgehend Ihrer initiativen Führung zu verdanken ist, ganz herzlich zu gratulieren und Ihnen im Namen der SOAM für Ihre treue Partnerschaft und die freundschaftliche Verbundenheit mit der Schweiz zu danken. In ebenso grosser Dankbarkeit denke ich an die uns bei unsern Besuchen in Kyoto jeweils gewährte Gastfreundschaft, wobei wir immer wieder das Wachsen des KISWEC feststellen durften und sehen konnten, wie solid in diesem Werk gearbeitet wird. Die SOAM freut sich mit Ihnen über den in 25jähriger Aufbauarbeit erreichten Stand des Werkes.
Ja, wie kam die damals noch junge SOAM, die sich ja erst nach dem 2. Weltkrieg als selbständige schweizerische Missionsgesellschaft etabliert hatte, dazu, beim geplanten Wagnis eines japanischen Sozialzentrums einzusteigen, d.h. es personell und finanziell zu unterstützen? Welches waren die Motive?
Nun, Mission ist zunächst weltweite Verkündigung der frohen Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen, wie sie uns Jesus von Nazareth aufgezeigt und wie er sie selber praktisch gelebt hatte (vgl. Joh. 3,16, wonach diese Liebe allen Menschen gilt). Mission braucht also zunächst das Wort. Aber die Not in der weiten Welt ist an vielen Orten so gross, dass das Wort durch die Liebestat ergänzt und glaubwürdig gemacht werden muss. Sonst wirkt es hohl, leer, unglaubwürdig. Jesus lebt das bis zum letzten Atemzug vor und schenkt uns viele diesbezüglichen Weisungen und Gleichniserzählungen. Das bekannteste ist sicher das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luk. 10). Ich wage zu sagen, dass Jesus wahrscheinlich mit diesem aus dem Reichtum seines Herzens und aus der alttestamentlichen Fülle geschöpften Zeugnis die Welt am tiefsten verändert hat. Wenn wir noch Matth. 25, das Gleichnis von der Scheidung der Guten und Bösen im Endgericht, dazunehmen und denken, wie ER selbst uns in den geringsten Brüdern und Schwestern begegnet, dann wird es uns klar, wie Christus uns in jedem der geringsten Mitmenschen, welcher Rasse, Hautfarbe, Kultur und Religion er auch immer angehört, begegnet: Christus also in armen japanischen Mitmenschen, in geistig und körperlich behinderten jungen und alten Menschen. Darum war es in der Ostasienmission immer so, dass das gepredigte Wort durch Taten der Liebe ergänzt wurde.
So baute sie, solange sie dort arbeiten konnte, in China (Tsingtao) eine vielseitige medizinische Arbeit auf. Sie gründete und erstellte Spitäler (und verzichtete dabei lieber auf die Gründung eigener Gemeinden und überliess das einheimischen Kirchen). Und heute ist die SOAM in mehreren ärztlich-medizinischen Projekten in Indonesien tätig.
Dazwischen liegt die Arbeit in Japan, genau in Kyoto, die auch eine eigene Geschichte hat.
Als 1952 der Missionsarzt Dr. med. G. Schwersenz nach Japan kam, waren die Folgen des unglückseligen 2. Weltkrieges daselbst noch sehr deutlich spürbar. Nicht nur war noch vieles zerstört, sondern auch das körperliche Befinden der Menschen war schlecht. So forderte die Tuberkulose viele Opfer. Als Tbc-Spezialist fand Dr. Schwersenz ein grosses Betätigungsfeld und leistete eine segensreiche Arbeit. 1961 verliess er Kyoto wegen einer unheilbaren Krankheit, die seine Frau befallen hatte und der sie kurze Zeit nach der Rückkehr in die Schweiz erlag. Zwar war seine Praxis nun geschlossen. Doch erholte sich das japanische Gesundheitswesen recht rasch, sodass sich die Weiterführung genau dieser Arbeit als nicht mehr dringend erwies. Nach dem Grundsatz «Was ein Volk selber machen kann, soll es auch selber tun», wollten die damaligen SOAM-Verantwortlichen etwas Neues, Praktisches, auf den Menschen Ausgerichtetes in Angriff nehmen. Schon Dr. Schwersenz hatte einmal die Errichtung eines Lebensberatungszentrums vorgeschlagen, in welchem, in einem Quartier von Armen, Dienstleistungen der verschiedenster Art (ärztlicher, sozialer Dienst, pädagogische Arbeit, wie z.B. Hüten von Kindern, Aufgabenhilfe, Speisungen u.a.) zusammengefasst und angeboten werden sollten. (Ich dachte damals als junger Gemeinde-Pfarrer, dass wir solches auch in der Schweiz gut gebrauchen könnten!) Das Lebensberatungszentrum wurde zwar eröffnet, konnte aber aus verschiedenen Gründen nie ganz so wachsen und gedeihen, wie es erhofft worden war.
Etwas später fanden Sie, lieber Herr Tokoro, über Pfarrer K. Furthmüller, den Kontakt zur SOAM. Im Jahresbericht 1971/72 der SOAM lese ich: «Nun ist ja Japan als sehr bedeutende Industrie- und Wirtschaftsmacht der Welt keineswegs Entwicklungsgebiet. Dennoch hat gerade in diesem Land der Fortschritt auf sozialem Gebiet keineswegs Schritt halten können mit dem atemraubenden wirtschaftlichen Aufschwung. Wenn man z. B. an Altersfürsorge, Jugendbetreuung, Sozialeinrichtungen für körperlich und geistig Behinderte denkt, erkennt man sofort, dass auf diesem Gebiet in Japan ein grosser Nachholbedarf existiert.» So kam es, dass, als mein Vorgänger, Pfr. W. Kuhn, etwa 1963 nach Japan kam, Sie in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Kyoto eine klaffende Lücke entdeckten und eine neue Idee fanden, aus der heraus sich dann in vielen kleinen und grösseren Schritten ein konkretes Projekt entwickelte: Ein Sozialzentrum mit zwei Zweigen:
1. dem Aus- und Weiterbildungszentrum
für Sozialarbeiter und -arbeiterinnen, deren Bedeutung mit dem Ansteigen der Not in der schnell wachsenden Industrie-Gesellschaft wuchs (es ist ja schon so - auch bei uns und gerade wieder vermehrt heutzutage -, dass in der schnellebigen, ungeheuer wachsenden modernen Industriegesellschaft gerne der Mensch unter die Räder kommt) und -
2. einem Ort der Praxis,
in welchem behinderte Menschen ein Daheim, also Geborgenheit und eine sie fördernde Begleitung samt Pflege und sinnvoller Arbeit finden können, also eine geschützte Werkstatt.
Im schon erwähnten Jahresbericht steht auf S. 10: «Für die Planung und Verwirklichung eines solchen Projektes hat die SOAM...vor etwa 2 Jahren (genau war es 1969) das Ehepaar Pfr. K. Furthmüller-Vogt nach Kyoto entsandt.» Seither sind immer Schweizer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch die Vermittlung der SOAM im Sozialzentrum tätig gewesen, angefangen mit Herrn Peter Baumann bis heute zu Herrn Gion-Duno Simeon (heute als Psychologe in Chur praktizierend.
Wenn ich die Motivation der SOAM zur Mitarbeit bei der Verwirklichung dieser Pläne abschliessend zusammenfassen will, sehe ich in erster Linie das Zeugnis der Tat, der praktisch ausgeübten Liebe zum Nächsten, zum Schwachen, das zum verkündeten Wort zu treten hat.

Daneben gibt es weitere Motive:
- Der SOAM ist wichtig die Begegnung zwischen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen . In Ihrem Werk, das auch das unsere ist, also dem KISWEC und in dem sich dazu entwickelnden Austauschprogramm wird ganz praktisch Begegnung verwirklicht, wozu das Austauschen von Erfahrungen gehört, sodass es nicht nur zu einem einseitigen Geben, sondern zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen kommt. (Zur Stadt Kyoto kam als schweizerischer Partner die Stadt Zürich hinzu - auch ein schönes Zeichen der Verbundenheit!)
- Ebenso wichtig ist für beide Partner das Erkennen und Bearbeiten menschlicher Probleme und Werte in der sich ständig entwickelnden Industriegesellschaft. Das ist eine Daueraufgabe auch in der Schweiz.
Die Verbesserung der Stellung behinderter Menschen in der Gesellschaft. Das war ein Problem, das in den KISWEC-Anfangszeiten besonders schwer wog, sich aber mit der Zeit zu lösen begann (übrigens eine Frage, die auch uns in der Schweiz stets noch zu schaffen gibt).Wir hoffen auch auf Impulse für die japanische Minderheitskirche, die uns bisweilen sehr in und auf sich zurückgezogen scheint.
Die Hoffnung, dass eine so ausgerichtete Missionsarbeit, welche auch die beiden Städte Kyoto und Zürich in die Partnerschaft einbindet, ausstrahlt in das Leben der beiden Völker.
Mission ist Verkündigung und Zeugnis durch die Tat, wird aber in unserm Tun so etwas wie eine Brücke, die über Religionen und Kulturen, über ungeheure Distanzen hinweg zwei Partner und ihre Umgebung verbindet. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen persönlichen Freundschaften, welche durch unsere/lhre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie durch die Austausch-Praktikanten und-Praktikantinnen entstanden sind.
Zum Schluss wünsche ich Ihnen persönlich, Ihrer Frau Gemahlin, die ja auch so treu am Werk ist, sowie dem ganzen KISWEC und allen, die darin arbeiten als Lehrende und Lernende, als Betreuende und Betreute von Herzen Gottes Segen auf dem weiteren Weg.



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