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135 JAHRE JUNG

schweizerische ostasien-mission

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Geschichte

 

Mission der Begegnung seit 1884

Der Allgemeine Evangelisch Protestantische Mission Verein (AEPMV), wurde am 4. Juni 1884 in Weimar gegründet,später ab 1924 umbenannt in Ostasienmission. Er betätigte sich in China und Japan. Nach 1948 trennte man sich in einen deutschen und einen schweizer Zweig. Heute kooperieren beide Vereine DOAM und SOAM sehr eng. Die SOAM war Gründungsmitglied von mission 21, evangelisches Missionswerk in Basel, zusammen mit vier anderen Missionswerken.
Seit 2007 ist sie wieder als selbständiges Missionswerk tätig. Ihre Partnerkirchen und Partnerinstitutionen sind ausschliesslich in Japan und Korea. 2009 konnten wir in St. Gallen das 125jährige Jubiläum mit 60 Gästen aus dem Deutschland, Korea, Japan und der Schweiz feiern.

135 Jahre jung und noch kein bisschen müde.

  1. Gründung in Weimar
    Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998

Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)
Es sei einleitend in Erinnerung gerufen, dass die Ostasienmission im Jahre 1884 in Weimar gegründet worden war. Den Anstoss dazu gab der Schweizer Pfarrer Ernst Buss (1843-1928) mit einer grundlegenden missionstheologischen Arbeit, in welcher der Verfasser die Verdienste der alten Missionen gebührend würdigte, aber auch heftige Kritik an einzelnen ihrer Grundsätze übte. Die neue Mission bekam den Namen «Allgemeiner Evangelisch Protestantischer Missionsverein» (AEPMV), während die Bezeichnung «Ostasienmission» erst später aufgrund der Arbeitsgebiete China und Japan (seit 1885) gewählt wurde. Der Verein war international und sollte das gesamte deutsche Sprachgebiet umfassen. In der Schweiz gab es in diesem Rahmen einen Schweizer Landesverband.

Nach dem 2. Weltkrieg
1998 wird die SOAM 50 Jahre alt. Sie wird dieses Ereignis in bescheidenem Rahmen feiern. Sie tut das nicht im Stolz auf eine «Heldentat“» ihrer Gründer, sondern — wie gesagt – in Bescheidenheit. Weiss sie doch, dass die Gründung (oder genauer gesagt die Verselbständigung einer bestehenden Organisation) aus einer Notlage heraus geschah. 1945 war der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen und hatte viel äussere und innere Not hinterlassen. Dazu zählte auch die durch die politische Lage entstandene Spannung innerhalb der das ganze deutsche Sprachgebiet umfassenden Ostasienmission, vor allem zwischen dem deutschen Zweig, und den Schweizern. Der Nazi-Staat und die Achse Berlin-Rom-Tokyo hatten tiefe Spuren in der Zusammenarbeit hinterlassen und zu einer Entfremdung zwischen deutschen und schweizerischen Missionsfreunden geführt, sodass die Leitung des Schweizer Zweiges damals keine Möglichkeit zu einer weiteren Zusammenarbeit mehr sah. «Wir wollen selbständig werden», sagte man in der Schweiz. Dies umso mehr, als der Anstoss zur Gründung des AEPMV um 1880 herum aus der Schweiz gekommen war und der Schweizer Zweig notgedrungen während Jahren die Hauptlast der Arbeit und der finanziellen Aufwendungen getragen hatte. Vermutlich wollte man mit der Verselbständigung auch den leitenden Ideen des Gründers, des Schweizer Pfarrers E. Buss, wieder näher kommen, da man in den Kreisen der Schweizer Missionsfreunde schon früher unter einem gewissen deutschen Übergewicht gelitten hatte (das Direktorium befand sich nämlich in Berlin).

Das Wagnis der Verselbständigung
Im Jahre 1948 wurde die sog. «Basler Vereinbarung» unterzeichnet, während die rein organisatorische Verselbständigung in den Jahren 1945/46 geschaffen worden war. Die erwähnte Vereinbarung – sie trat auf den 1. Januar 1949 in Kraft – legte fest, dass die Arbeit in Japan zwischen der Deutschen und der SOAM folgendermassen aufgeteilt wurde: Die Deutschen sollen weiterhin in Tokyo tätig bleiben, während die Schweizer die Arbeit in der alten Kaiserstadt Kyoto übernehmen und weiterführen. Zur Verwaltung des Grundbesitzes in Japan wurde eine Stiftung (jap. Zajidan Hojin) gegründet, deren Leitung in der Hand von Schweizern lag, weil so im damals amerikanisch besetzten Japan die Beschlagnahme als «Feindesgut» verhindert werden konnte. So kommt es, dass die DOAM und die SOAM in Japan immer noch miteinander verbunden geblieben sind. Zum Glück! Denn die Entfremdung wurde mit der Zeit überwunden, und heute ist zwischen SOAM und DOAM wieder eine vertrauensvolle Freundschaft entstanden.

Schmerzlich war dann die Tatsache, dass bald die vielfältige, erfolgreiche Arbeit in China, in Tsingtao, aufgegeben werden musste und die letzten Schweizer China-Missionare der SOAM, das Ehepaar Dr. Rieder und die Krankenschwester Elisabeth Kastler, Ende 1951 in die Schweiz zurückkehrten.
So berührt uns heute der Rückblick auf 50 Jahre SOAM in manchem schmerzlich. Aber er gibt auch sehr viel Grund zu tiefer Dankbarkeit dem göttlichen Auftraggeber gegenüber: Denn in diesen 50 Jahren durfte die Arbeit in Japan neu aufgebaut werden. Dann folgte die Übernahme von Aufgaben in Indonesien, und schliesslich der Beginn der Zusammenarbeit mit presbyterianischen Kirchen in Korea.

Was sonst 1998 noch gefeiert werden kann
In diesem ersten, summarischen Rückblick darf auch erwähnt werden, dass 1998 weitere Gedenktage zu vermerken sind:

  • 25 Jahre internationales Sozialzentrum KISWECin Kyoto
  • 10 Jahre seit der Unterzeichnung der Zusammenarbeitsverträge zwischen dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und der Vereinigten Kirche Christi in Japan (Kyodan) und den beiden presbyterianischen Kirchen PCKund PROK von Korea in Hakone bei Tokyo und in Seoul

 

Japan

Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998

Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)

Im ersten Artikel habe ich darauf hinweisen können, dass die SOAM 50 Jahre alt wird und dass gleichzeitig das internationale Sozialzentrum KISWEC in Kyoto sein 25jähriges Bestehen feiern kann. Aus diesem Grund wird in Kyoto/Japan eine Festschrift herausgegeben. Der Direktor des Zentrums, Herr Pfarrer Tokoro, ein guter Freund und zuverlässiger Partner der SOAM, hat mich gebeten, für die Festschrift einen Beitrag zu schreiben. Es wurde mir vorgeschlagen, in meinem Artikel hauptsächlich auf die Motive einzugehen, welche die SOAM bewogen haben, sich von Anfang an diesem neu aufzubauenden Werk zu beteiligen. Ich bin diesem Wunsche sehr gerne nachgekommen. Ich habe einige damalige SOAM-Verantwortliche ausgefragt und einige Dokumente und Berichte aus jener Zeit zusammengetragen und studiert, sodass der nachfolgende Beitrag entstehen konnte.
Dieser Beitrag so erscheinen, wie er geschrieben wurde in dem persönlichen Ton, der meine Freundschaft und ganze Sympathie ausdrückt. Ergänzend kann ich dazu noch sagen, dass das KISWEC bis heute im Wachsen begriffen ist. Es umfasst neben dem Aus- und Weiterbildungszentrum, in welchem laufend neue, heutigen Bedürfnissen angepasste Kurse und Seminarien angeboten werden, verschiedene geschützte Werkstätten für verschiedenartig behinderte Menschen.
Auch hat es Herr Pfarrer Tokoro verstanden, dem Werk solide finanzielle Grundlagen zu verschaffen. Zur grossen Freude (und natürlich Entlastung der) SOAM ist das Zentrum in der Lage, den jetzigen Schweizer Mitarbeiter, der von der SOAM gestellt wird, selber zu entlöhnen. Das zeigt, wie aus bescheidenen Anfängen, in denen die Schweizer Hilfe dringend notwendig war, ein blühendes, selbständiges Werk entstanden ist, das eine segensreiche und vielfältige Arbeit verrichtet, die weit über die alte Kaiserstadt Kyoto ausstrahlt.

Mission durch Wort und Zeugnis
(Zur Mitarbeit der SOAM beim Aufbau des KISWEC)

Als Präsident der SOAM komme ich Ihrem Wunsche sehr mit Freude nach, und ich benutze gerne die Möglichkeit, Ihnen, lieber Herr Tokoro, zum heutigen Entwicklungsstand des KISWEC, der ja weitgehend Ihrer initiativen Führung zu verdanken ist, ganz herzlich zu gratulieren und Ihnen im Namen der SOAM für Ihre treue Partnerschaft und die freundschaftliche Verbundenheit mit der Schweiz zu danken. In ebenso grosser Dankbarkeit denke ich an die uns bei unsern Besuchen in Kyoto jeweils gewährte Gastfreundschaft, wobei wir immer wieder das Wachsen des KISWEC feststellen durften und sehen konnten, wie solid in diesem Werk gearbeitet wird. Die SOAM freut sich mit Ihnen über den in 25jähriger Aufbauarbeit erreichten Stand des Werkes.
Ja, wie kam die damals noch junge SOAM, die sich ja erst nach dem 2. Weltkrieg als selbständige schweizerische Missionsgesellschaft etabliert hatte, dazu, beim geplanten Wagnis eines japanischen Sozialzentrums einzusteigen, d.h. es personell und finanziell zu unterstützen? Welches waren die Motive?
Nun, Mission ist zunächst weltweite Verkündigung der frohen Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen, wie sie uns Jesus von Nazareth aufgezeigt und wie er sie selber praktisch gelebt hatte (vgl. Joh. 3,16, wonach diese Liebe allen Menschen gilt). Mission braucht also zunächst das Wort. Aber die Not in der weiten Welt ist an vielen Orten so gross, dass das Wort durch die Liebestat ergänzt und glaubwürdig gemacht werden muss. Sonst wirkt es hohl, leer, unglaubwürdig. Jesus lebt das bis zum letzten Atemzug vor und schenkt uns viele diesbezüglichen Weisungen und Gleichniserzählungen. Das bekannteste ist sicher das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luk. 10). Ich wage zu sagen, dass Jesus wahrscheinlich mit diesem aus dem Reichtum seines Herzens und aus der alttestamentlichen Fülle geschöpften Zeugnis die Welt am tiefsten verändert hat. Wenn wir noch Matth. 25, das Gleichnis von der Scheidung der Guten und Bösen im Endgericht, dazunehmen und denken, wie ER selbst uns in den geringsten Brüdern und Schwestern begegnet, dann wird es uns klar, wie Christus uns in jedem der geringsten Mitmenschen, welcher Rasse, Hautfarbe, Kultur und Religion er auch immer angehört, begegnet: Christus also in armen japanischen Mitmenschen, in geistig und körperlich behinderten jungen und alten Menschen. Darum war es in der Ostasienmission immer so, dass das gepredigte Wort durch Taten der Liebe ergänzt wurde.
So baute sie, solange sie dort arbeiten konnte, in China (Tsingtao) eine vielseitige medizinische Arbeit auf. Sie gründete und erstellte Spitäler (und verzichtete dabei lieber auf die Gründung eigener Gemeinden und überliess das einheimischen Kirchen). Und heute ist die SOAM in mehreren ärztlich-medizinischen Projekten in Indonesien tätig.

 

Dazwischen liegt die Arbeit in Japan, genau in Kyoto, die auch eine eigene Geschichte hat.

Als 1952 der Missionsarzt Dr. med. G. Schwersenz nach Japan kam, waren die Folgen des unglückseligen 2. Weltkrieges daselbst noch sehr deutlich spürbar. Nicht nur war noch vieles zerstört, sondern auch das körperliche Befinden der Menschen war schlecht. So forderte die Tuberkulose viele Opfer. Als Tbc-Spezialist fand Dr. Schwersenz ein grosses Betätigungsfeld und leistete eine segensreiche Arbeit. 1961 verliess er Kyoto wegen einer unheilbaren Krankheit, die seine Frau befallen hatte und der sie kurze Zeit nach der Rückkehr in die Schweiz erlag. Zwar war seine Praxis nun geschlossen. Doch erholte sich das japanische Gesundheitswesen recht rasch, sodass sich die Weiterführung genau dieser Arbeit als nicht mehr dringend erwies. Nach dem Grundsatz «Was ein Volk selber machen kann, soll es auch selber tun», wollten die damaligen SOAM-Verantwortlichen etwas Neues, Praktisches, auf den Menschen Ausgerichtetes in Angriff nehmen. Schon Dr. Schwersenz hatte einmal die Errichtung eines Lebensberatungszentrums vorgeschlagen, in welchem, in einem Quartier von Armen, Dienstleistungen der verschiedenster Art (ärztlicher, sozialer Dienst, pädagogische Arbeit, wie z.B. Hüten von Kindern, Aufgabenhilfe, Speisungen u.a.) zusammengefasst und angeboten werden sollten. (Ich dachte damals als junger Gemeinde-Pfarrer, dass wir solches auch in der Schweiz gut gebrauchen könnten!) Das Lebensberatungszentrum wurde zwar eröffnet, konnte aber aus verschiedenen Gründen nie ganz so wachsen und gedeihen, wie es erhofft worden war.
Etwas später fanden Sie, lieber Herr Tokoro, über Pfarrer K. Furthmüller, den Kontakt zur SOAM. Im Jahresbericht 1971/72 der SOAM lese ich: «Nun ist ja Japan als sehr bedeutende Industrie- und Wirtschaftsmacht der Welt keineswegs Entwicklungsgebiet. Dennoch hat gerade in diesem Land der Fortschritt auf sozialem Gebiet keineswegs Schritt halten können mit dem atemraubenden wirtschaftlichen Aufschwung. Wenn man z. B. an Altersfürsorge, Jugendbetreuung, Sozialeinrichtungen für körperlich und geistig Behinderte denkt, erkennt man sofort, dass auf diesem Gebiet in Japan ein grosser Nachholbedarf existiert.» So kam es, dass, als mein Vorgänger, Pfr. W. Kuhn, etwa 1963 nach Japan kam, Sie in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Kyoto eine klaffende Lücke entdeckten und eine neue Idee fanden, aus der heraus sich dann in vielen kleinen und grösseren Schritten ein konkretes Projekt entwickelte: Ein Sozialzentrum mit zwei Zweigen:

 

  1. dem Aus- und Weiterbildungszentrum

für Sozialarbeiter und -arbeiterinnen, deren Bedeutung mit dem Ansteigen der Not in der schnell wachsenden Industrie-Gesellschaft wuchs (es ist ja schon so – auch bei uns und gerade wieder vermehrt heutzutage -, dass in der schnellebigen, ungeheuer wachsenden modernen Industriegesellschaft gerne der Mensch unter die Räder kommt) und –

 

  1. einem Ort der Praxis,

in welchem behinderte Menschen ein Daheim, also Geborgenheit und eine sie fördernde Begleitung samt Pflege und sinnvoller Arbeit finden können, also eine geschützte Werkstatt.
Im schon erwähnten Jahresbericht steht auf S. 10: «Für die Planung und Verwirklichung eines solchen Projektes hat die SOAM…vor etwa 2 Jahren (genau war es 1969) das Ehepaar Pfr. K. Furthmüller-Vogt nach Kyoto entsandt.» Seither sind immer Schweizer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch die Vermittlung der SOAM im Sozialzentrum tätig gewesen, angefangen mit Herrn Peter Baumann bis heute zu Herrn Gion-Duno Simeon (heute als Psychologe in Chur praktizierend.

 

Wenn ich die Motivation der SOAM zur Mitarbeit bei der Verwirklichung dieser Pläne abschliessend zusammenfassen will, sehe ich in erster Linie das Zeugnis der Tat, der praktisch ausgeübten Liebe zum Nächsten, zum Schwachen, das zum verkündeten Wort zu treten hat.

 

Daneben gibt es weitere Motive:

– Der SOAM ist wichtig die Begegnung zwischen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen . In Ihrem Werk, das auch das unsere ist, also dem KISWEC und in dem sich dazu entwickelnden Austauschprogramm wird ganz praktisch Begegnung verwirklicht, wozu das Austauschen von Erfahrungen gehört, sodass es nicht nur zu einem einseitigen Geben, sondern zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen kommt. (Zur Stadt Kyoto kam als schweizerischer Partner die Stadt Zürich hinzu – auch ein schönes Zeichen der Verbundenheit!)

– Ebenso wichtig ist für beide Partner das Erkennen und Bearbeiten menschlicher Probleme und Werte in der sich ständig entwickelnden Industriegesellschaft. Das ist eine Daueraufgabe auch in der Schweiz.
Die Verbesserung der Stellung behinderter Menschen in der Gesellschaft. Das war ein Problem, das in den KISWEC-Anfangszeiten besonders schwer wog, sich aber mit der Zeit zu lösen begann (übrigens eine Frage, die auch uns in der Schweiz stets noch zu schaffen gibt).Wir hoffen auch auf Impulse für die japanische Minderheitskirche, die uns bisweilen sehr in und auf sich zurückgezogen scheint.
Die Hoffnung, dass eine so ausgerichtete Missionsarbeit, welche auch die beiden Städte Kyoto und Zürich in die Partnerschaft einbindet, ausstrahlt in das Leben der beiden Völker.
Mission ist Verkündigung und Zeugnis durch die Tat, wird aber in unserm Tun so etwas wie eine Brücke, die über Religionen und Kulturen, über ungeheure Distanzen hinweg zwei Partner und ihre Umgebung verbindet. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen persönlichen Freundschaften, welche durch unsere/lhre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie durch die Austausch-Praktikanten und-Praktikantinnen entstanden sind.
Zum Schluss wünsche ich Ihnen persönlich, Ihrer Frau Gemahlin, die ja auch so treu am Werk ist, sowie dem ganzen KISWEC und allen, die darin arbeiten als Lehrende und Lernende, als Betreuende und Betreute von Herzen Gottes Segen auf dem weiteren Weg.

 

Korea

Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998

 

Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)

Nach den Berichten über ein Projekt in Japan und die Arbeit in Indonesien folgt nun einer über das jüngste Arbeitsgebiet der SOAM:

 

Das «Land der Morgenstille» – Korea

Ganz genau genommen müssen wir von Süd-Korea sprechen. Ist dieses leidgeprüfte Land, das als Halbinsel eine Brücke zu Japan bildet, doch aus der Zeit des kalten Krieges leider immer noch geteilt. Wenn im folgenden von Korea die Rede ist, ist damit stets der Süden gemeint.

 

Zum Anfang ein wenig Geschichte

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges beginnt für Korea eine neue, längst erhoffte Phase seiner Geschichte. Japan hat 1945 kapituliert…Korea wird von der Fremdherrschaft befreit. Die Zeit als japanische Kolonie ist vorbei. Aber leider sollten die damit verbundenen Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen. Denn 1950 bricht der Korea-Krieg aus, der bis 1953 dauert und das Land weitgehend verwüstet, und – wie schon gesagt – die Teilung des Landes in einen südlichen, dem Westen nahe stehenden und in einen nördlichen, kommunistischen Staat zur Folge hat. Auch in Südkorea etablieren sich Diktaturen, die das Land unter grossem Druck eisern regieren und Versuche der Befreiung blutig unterdrücken.
Interessanterweise wachsen die koreanischen Kirchen stürmisch. Die Zahl der Christen steigt rasant, sodass rund 25 % der Bevölkerung Christen werden. So entstehen blühende, starke Kirchen meistens presbyterianischer (= reformierter) Prägung.

 

Kontakte zu den Schweizer Kirchen

Recht bald gibt es auch Kontakte zu schweizerischen Kirchen. Koreanische Studenten der Theologie tauchen an den schweizerischen theologischen Fakultäten auf und doktorieren hier, während Schweizer Theologen (wie die Professoren Fritz Buri, Werner Bieder, Heinrich Ott, Jan Milic Lochmann) an koreanischen Universitäten dozieren. Die Basler Mission entsendet 1977 einen Mitarbeiter ins Land, und auf Anregung unseres August Bänziger bildet sich im Rahmen der Schweizer Kirchen etwa 1978 ein Korea-Arbeitskreis. So werden die Beziehungen immer enger geknüpft, bis dann im Jahre 1988 der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Pfarrer Heinrich Rusterholz, mit zwei der grossen Presbyterianischen Kirchen Koreas einen Freundschafts- und Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Die Beziehungen haben damit einen ersten Höhepunkt erreicht.

Korea und die SOAM

Wie aber kommt die SOAM in dieses Beziehungsnetz hinein? Die stürmische Entwicklung der koreanischen Kirchen und die politischen Verhältnisse tragen dazu das ihre bei. Denn diese Kirchen empfinden nach den Jahren des Wachstums das Bedürfnis, eine Phase der Besinnung einzuschalten und ihre Wurzeln zu suchen. Sie finden diese schliesslich in der Schweiz und in der Schweizer Reformation. Einerseits sind die koreanischen Christen, die lange in diktatorischen Verhältnissen leben müssen, beeindruckt von der Schweizer Demokratie. Auf der andern Seite stellen die politischen Verhältnisse Fragen nach Recht, sozialer Gerechtigkeit und menschlicher Würde. Ferner wird die Menschenrechtsproblematik bedrängend wichtig wie auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Viele Antworten werden in der Schweizer Reformation, in den Werken von Zwingli und Calvin und späterer Schweizer Theologen (Leonhard Ragaz) gefunden. Die Basler Mission und die SOAM entsenden in der Person des späteren SOAM-Vorstandsmitgliedes Pfr. Dr. H. U. Jäger, Einsiedeln, einen Kenner der Reformationsgeschichte und der Theologie von Leonhard Ragaz nach Korea, wo er zahlreiche Vorträge und Vorlesungen hält. So entsteht eine Beziehung zur SOAM, welcher unser Kirchenbund schliesslich das Mandat zur Pflege der Beziehungen mit den erwähnten koreanischen Kirchen überträgt.
Eine weitere Ebene beidseitiger Interessen sind die Nöte der koreanischen Bauernschaft und die Existenzfragen der Schweizer Bauern. Dank der Initiative von Pfr. U. Tobler, Müntschemier, entsteht ein Projekt zum Austausch und gegenseitigen Lernen auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Der Verfasser begründet in einer ausführlichen, sorgfältig ausgearbeiteten Beschreibung Sinn und Ziel des neuen Projektes, das bald in die Phase der Verwirklichung geht.

 

Beginn der systematischen Zusammenarbeit:

Programme und Konsultationen

Nach dem Abschluss der oben erwähnten Verträge kommt es im Jahre 1990 zu einer ersten schweizerisch-koreanischen Kirchenkonsultation. Diese findet in unserm Land statt und führt eine hochrangige koreanische Delegtion zu den Stätten der Schweizer Reformation, also nach Zürich, Genf, Bern und Basel. Im weitern ist die Zusammenkunft Fragen evangelischer Spiritualität und sozialer Art gewidmet.
1993 reist eine stattliche Schweizer Delegation, der auch der Schreibende angehören durfte, nach Korea, um das Land und seine aktuellen Probleme, aber auch seine Schönheiten und die Gastfreundschaft seiner Menschen kennen zu lernen. Ebenfalls werden verschiedene aktuelle Fragen des kirchlichen Lebens behandelt. Auf dieser zweiten Konsultation werden bereits erste praktische Erfahrungen ausgetauscht und weitere Schritte auf dem gemeinsamen Weg geplant.

 

Rückblick

Bericht von Heinrich Hitz, Basel, Ehrenpräsident der SOAM seit 1998

Die Schweizerische Ostasienmission (SOAM) ist 50 Jahre alt. (erschienen im: Schweizerisches Reformiertes Volksblatt SRV)

Als im Jahre 1940 der Inspektor des Schweizerischen Zweiges der Ostasienmission (OAM), Pfarrer Otto Marbach, starb (der Name Marbach dürfte vielleicht noch einigen älteren Mitgliedern der SOAM bekannt sein), ging eine Epoche zu Ende. Marbach hatte über viele Jahre hinweg der internationalen OAM treu und mit seinen besten Kräften gedient und hatte es immer wieder verstanden, Spannungen zwischen deutschen und schweizerischen Missionsfreunden abzubauen und die menschlichen Beziehungen zu stärken. Ihm folgte für kurze Zeit Pfarrer Karl Huber und 1944 Pfarrer Kurt Suter. Der immer noch tobende 2. Weltkrieg riss zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Zweig einen immer tiefer werden
den Graben auf. Politisch war Japan, eines der Arbeitsgebiete, mit Nazideutschland verbündet, was die Schweizer veranlasst hatte, sich von diesem Arbeitsgebiet zu distanzieren und es den Deutschen zu überlassen. Doch als die Niederlage Hitlers sich abzeichnete und Deutschland zerstört darnieder lag, waren die Schweizer aufgerufen, das Steuer der OAM in die Hand zu nehmen und den Wiederaufbau des gemeinsamen Werkes zu beginnen. Auch das Verhältnis zu den deutschen Missionsfreunden, die nach 1945 nicht mehr in der Lage waren, etwas zu unternehmen, sollte geregelt werden. Auch auf den Missionsgebieten bestand natürlich dringender Handlungsbedarf. Klar ist mir: Die Schweizer waren durchaus bereit, mit den deutschen Freunden weiterhin zusammenzuarbeiten. Aber sie waren nicht mehr bereit, sich der Leitung eines deutschen, allenfalls wieder aufzubauenden Direktoriums zu unterstellen. Sie strebten vielmehr Selbständigkeit und eigene Verantwortung an. Dies ist darum sehr verständlich, weil die Schweiz nun jahrelang allein die finanziellen Lasten getragen hatte.
Nach Kriegsende wurden Schritt für Schritt die Kontakte wieder aufgenommen. Denn es gab vieles zu besprechen und zu regeln. Doch hatten die Schweizer ihre Selbständigkeit gesucht und gefunden, indem sie sich eigene Statuten gaben und Ende 1945 die selbständige Schweizerische Ostasienmission (SOAM) konstituierten. Die übrig gebliebenen Mitglieder des Zentralvorstandes (praktisch alles Schweizer) übergaben der neugebildeten Mission die Treuhänderschaft, Verantwortung und Vollmacht für die Arbeit in China und Japan. Zum ersten Präsidenten der SOAM wurde der Winterthurer Pfarrer Werner Zollinger gewählt. Am 21. August 1946 traf sich zum ersten Mal eine Schweizer Delegation mit 2 Vertretern des deutschen Vereins in Waldshut. Man begegnete sich in Freundschaft, behandelte alle aktuellen Fragen und einigte sich in einem Protokoll, auf eine Vereinbarung für die Zukunft, die von der Delegierten-Versammlung zu genehmigen war. Punkt 1 derselben ist aus SOAM-Sicht besonders wichtig und lautet:
«Die Vertreter der DOAM nehmen in zustimmendem Sinne Kenntnis von der Neuordnung, durch welche die SOAM vollständige Selbständigkeit beansprucht.»
Leider ergaben sich bei Umsetzung der Abmachungen grosse Meinungsverschiedenheiten, die zu beidseitiger Verstimmung führten und schmerzliche Wunden schufen. Eine sehr umstrittene Frage mit erregten Diskussionen war die Haltung der deutschen Missionare in Japan und China der braunen Ideologie gegenüber. Dabei spielte ein deutscher Missionar, der wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus aus Japan in die USA ausgewichen war und dann von den Schweizern als erster Japanmissionar wieder engagiert wurde, eine sehr fragwürdige Rolle. Nach einer Phase von erregten Auseinandersetzungen wurde1948 unter der behutsamen Leitung von Repräsentanten des Internationalen Missionsrates die sog.Basler Vereinbarung
abgeschlossen, welche die Zusammenarbeit mit der deutschen OAM regelte: Das Arbeitsgebiet Japan wurde so aufgeteilt, dass die Deutschen Tokyo und die Schweizer Kyoto übernahmen und die Missionsgrundstücke in die Verwaltung einer gemeinsamen Stiftung gegeben wurden. China musste ja dann 1951 endgültig verlassen werden. Im Jahre 1963 trafen sich deutsche und schweizerische Vertreter zu einem freundschaftlichen Zusammensein im Ferienhaus der Familie Kohler im Prättigau, wobei die letzten noch verbliebenen Missverständnisse ausgeräumt wurden. Ich glaube feststellen zu dürfen, dass sich die gegenseitigen Beziehungen DOAM-SOAM in den letzten Jahren gefestigt und vertieft haben.
Es war ein grosses Glück, dass die SOAM in der Person des jungen Schweizer Pfarrers Werner Kohler eine neue, unverbrauchte Kraft fand, welche 1954 nach Japan ausreiste und die Arbeit dort mit neuen Ideen wieder in Schwung brachte. 1961 wurde Pfarrer August Bänziger neuer Inspektor, der das vollamtliche Inspektorat fallen liess und im sog. Leitungsteam ein neues Organ schuf und der SOAM durch die Mitbeteiligung von mehreren Pfarrern im erwähnten Team zu einer breiteren Basis verhalf. 1962 wurde als Nachfolger von Pfarrer Zollinger der Zuger Pfarrer Willem Kuhn neuer Präsident, den ich dann 1983 ablöste. Dem Team Bänziger/Kuhn und seinen Mitarbeitern ist der eigentliche Neuaufbau in Japan und die Erweiterung der Arbeit nach Indonesien zu verdanken. Auch in der Schweiz wurden neue Wege beschritten, die schliesslich in der engen Zusammenarbeit mit andern Missionen und den Schweizer Kirchen in der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM) erfreuliche Fortschritte brachte. Heute ist die SOAM ein integrierter Teil des innerhalb des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes bestehenden Netzes von verschiedenartige Institutionen, Werken und Missionen.
Wie es während meiner Präsidialzeit zur Ausweitung unserer Arbeit in Korea kam, habe ich im letzten Beitrag beschrieben.
Abschliessend möchte ich auf einige Persönlichkeiten innerhalb der langen Geschichte der OAM hinweisen.

Der erste und der letzte Zentralpräsident des AEPMV bezw. der OAM waren zwei bedeutende Schweizer Theologen: Der Gründerpfarrer Dr. h. c. Ernst Buss von 1884-1893, Glarus (dann zum Ehrenpräsidenten ernannt), und von 1937-1946, also während der schwierigen Zeit des Aufstiegs und des Niedergangs des Nazionalsozialismus in Deutschland, Pfr. Dr. Oskar Pfister, Zürich.
Der AEPMV/bezw. die OAM haben auch immer bekannte Missionars- und Theologenpersönlichkeiten hervorgebracht. Ich erwähne hier vor allem den ersten Chinamissionar Dr. E. Faber, der 1885 in China begonnen hat, sowie Pfr. Dr. W. Spinner, den ersten Japanmissionar, der 1885 nach Japan ausreiste. Für China weise ich noch auf den hervorragenden, weltberühmten und heute noch bekannten Schwiegersohn Blumhardts, den Sinologen Prof. Dr. R. Wilhelm, hin, der 1899 nach Tsingtao kam und die schwierige Zeit des 1. Weltkrieges in China verbrachte.
Aus neuerer Zeit, aus der Geschichte der SOAM nenne ich vor allem den Theologen Prof. Dr. Werner Kohler, der in seinem nach seinem Tod erschienenen Werk «Umkehr und Umdenken» – Grundzüge einer Theologie der Mission (1988) ein neues Verständnis von Mission entfaltet hat. Was er in diesem Buch ausführlich dargelegt hat, hat er zusammenfassend in einem Aufsatz «Was ist überhaupt Mission?» dargestellt. Seine grundlegende Feststellung (Jubiläumsschrift «Spuren» – 100 Jahre Ostasien-Mission 1985):
«Jesus trieb keine Mission, missionierte, evangelisierte und bekehrte nicht, aber er hatte eine Mission.» 
«Die Grundfrage nach der Mission der Kirche und der Christen ist darum die Frage nach der Mission Jesu.» 
Diese entscheidende Frage beantwortet Kohler mit dem Hinweis auf die neue Herrschaft Gottes, der sich die Menschen zuwenden sollen, können und dürfen, jene einmalige und einzigartige Lebenschance. Die Königsherrschaft Gottes, wie sie auch genannt wird, sei «für Jesus das Motiv, die Menschen zu einer neuen Lebens- und Denktendenz aufzurufen».
Das sei dann nicht nur der Sinn der Mission Jesu, sondern auch der Mission der Kirche. Abschliessend sei Werner Kohler noch einmal, sein Verständnis von Mission zusammenfassend, zitiert:
«Die Mission der Christen und der Kirche besteht darin, auf einen neuen Weg, auf den Pfad der Identität hizuweisen in einer Welt der zahlreichen Irrwege, Umwege und vor allem auch in einer Zeit der Weglosigkeit.» (Alle Zitate aus dem oben erwähnten Aufsatz S. 38-52)
Dieses Verständnis von Mission hat selbstverständlich auch seine Folgen für das Verhältnis zu den fremden Religionen, deren Angehörige die eigene Identität vielfach auch noch nicht gefunden haben. Der Ruf wird damit umfassend.

Abschluss

Nun habe auch ich nach 15 Jahren die Leitung der SOAM in jüngere Hände legen können, und ich bin dankbar, dass ich lange Jahre im Kreise der SOAM mitarbeiten durfte. Diese Arbeit hat natürlich viel Kraft und Zeit verlangt. Aber sie hat meiner Frau und mir auch reichen innern Gewinn, viele Freundschaften und auf meinen Reisen in asiatische Länder eine gewaltige Erweiterung meines Horizontes und unauslöschliche Eindrücke gebracht. Dafür sind wir dankbar. Ich wünsche der SOAM auf ihrem weiteren Weg in die Zukunft viel Glück und Gottes Segen. Mögen ihr auch unsere treuen Mitglieder und Gemeinden weiterhin mit guten Gedanken und finanziellen Mitteln zur Seite stehen.